„Ungenutzte“ Kirchen erhalten neue Bestimmung

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In ganz Spanien stehen immer mehr Kirchen leer. Kirchengebäude sind in der Regel Eigentum der katholischen Kirche über das Bistum. Die Verwaltung liegt bei der örtlichen Pfarrei, während die Instandhaltung oft gemeinsam von der Kirche und den Behörden bezahlt wird, insbesondere bei denkmalgeschützten Gebäuden. Aufgrund der sinkenden Zahl der Gläubigen und der geringeren Einnahmen wird diese Instandhaltung immer schwieriger.

Der Rückgang hält schon seit Jahren an und beschleunigt sich. Nur ein kleiner Teil der spanischen Bevölkerung geht noch wöchentlich zur Messe. Vor allem unter jungen Menschen ist die Distanz zur katholischen Kirche groß. Viele Pfarreien haben Schwierigkeiten, Freiwillige zu finden, und Priester sind oft für mehrere Dörfer gleichzeitig zuständig. Dadurch werden Messen zusammengelegt und kleinere Kirchen nicht mehr genutzt.

Jüngsten Zahlen zufolge sind in zehn Jahren Hunderte von Kirchen verschwunden oder geschlossen worden. In ländlichen Gebieten ist die Situation am deutlichsten sichtbar. Dörfer, die mit Entvölkerung zu kämpfen haben, sehen ihre Kirche als eines der ersten Gebäude, das seine Türen schließt. Das betrifft nicht nur das Glaubensleben, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl, denn die Kirche war oft ein Treffpunkt für die Einwohner.

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Der Leerstand ist ein großes Problem, da Spanien Tausende von Kirchen hat, die oft Jahrhunderte alt sind. Viele Gebäude stehen unter Denkmalschutz und haben einen hohen historischen und architektonischen Wert. Eine vollständige Schließung und ein Verfall sind keine Option, da eine spätere Restaurierung viel teurer oder sogar unmöglich wird.

Deshalb wird immer häufiger eine Umnutzung gewählt. In verschiedenen Städten wurden alte Kirchen zu Bibliotheken, Museen, Konzertsälen oder Kulturzentren umgebaut. Sie werden auch für Ausstellungen, Vorträge und lokale Veranstaltungen genutzt. Auf diese Weise bleiben die Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich und behalten ihre zentrale Rolle in der Gesellschaft.

Darüber hinaus erhalten einige Kirchen eine soziale Funktion. Sie werden als Gemeindezentren, Notunterkünfte oder Räume für soziale Organisationen eingerichtet. In Regionen mit wenigen öffentlichen Einrichtungen erweist sich dies als praktische Lösung, die von den Bewohnern oft positiv aufgenommen wird.

Auffälliger ist die Option, Kirchen zu Wohnungen, Hotels oder Restaurants umzubauen. Dies sorgt regelmäßig für Diskussionen, insbesondere wenn es sich um denkmalgeschützte Gebäude handelt. Denkmalschutzorganisationen befürchten eine Beeinträchtigung des ursprünglichen Charakters, während die Gemeinden auf die Bedeutung der Erhaltung und der wirtschaftlichen Nutzung hinweisen.

Die katholische Kirche in Spanien ist zunehmend offen für eine Umnutzung, solange dies respektvoll geschieht und nicht mit religiösen Werten kollidiert. Der Ausgangspunkt ist klar: Lieber ein Gebäude mit einer neuen Funktion als eine leere Kirche, die langsam verfällt.

In den kommenden Jahren wird die Zahl der leerstehenden Kirchen voraussichtlich weiter steigen. Spanien steht damit vor einer schwierigen Entscheidung zwischen Tradition und Realität. Fest steht, dass viele dieser ikonischen Gebäude nur dann erhalten bleiben können, wenn sie sich an eine sich wandelnde Gesellschaft anpassen.

Quelle: Agenturen